Ludwigsburg, den 18. Januar 2010
Gleich vier studentische Produktionen der Filmakademie Baden-Württemberg sind in diesem Jahr in das Programm der „Perspektive Deutsches Kino“ der Internationalen Filmfestspiele Berlin aufgenommen worden. Sektionsleiter Alfred Holighaus entschied sich für den Spielfilm „Cindy liebt mich nicht“ von Hannah Schweier sowie die Dokumentationen „Alle meine Väter“ von Jan Raiber, „Die Haushaltshilfe“ von Anna Hoffmann und „Frauenzimmer“ von Saara Aila Waasner. Mit insgesamt 14 Filmen ist das Programm der „Perspektive Deutsches Kino“ damit komplett. Das Programm der Filme, die im Wettbewerb der Berlinale zu sehen sein werden, wird Anfang Februar bekannt gegeben.
Hannah Schweier hatte vor drei Jahren mit ihrem mittellangen Spielfilm „Aufrecht stehen“ die damalige „Perspektive“ eröffnet. In diesem Jahr zeigt sie ihre erste abendfüllende Arbeit „Cindy liebt mich nicht“ nach dem Roman von Juan Moreno und Jochen-Martin Gutsch: Zwei Männer lieben dieselbe Frau, ohne sie wirklich zu kennen. Als sie plötzlich verschwindet, müssen sie sich zusammentun, um sie zu suchen. So entsteht ein Roadmovie der Gefühle mit Clemens Schick und Peter Weiss in den Hauptrollen. „Cindy liebt mich nicht“ entstand in Zusammenarbeit mit Penrose Film in Co-Produktion mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel und mit Mitteln der MFG Filmförderung Baden Württemberg.
In dem sehr persönlichen Dokumentarfilm „Alle meine Väter“ stellt der junge Regisseur Jan Raiber seine eigene Geschichte ins Zentrum: Er begibt sich auf die Suche nach seinem leiblichen Vater und lässt sich damit auf ein Experiment ein, das er weder beherrschen noch kontrollieren kann. So erlebt der Zuschauer mit dem Filmemacher manch eine Überraschung und hat teil an der Dokumentation einer Familiengeschichte, die mehr aufdeckt, als es sich Raiber selbst je hätte vorstellen können.
Anna Hoffmann begleitet in ihrer 60-minütigen Studie „Die Haushaltshilfe“ die 29-jährige Slowakin Martina. In ihrem Heimatdorf wird sie beneidet, denn sie hat einen gut bezahlten Job bei einem alten Ehepaar in Deutschland bekommen. Martina bemüht sich, deutsch zu lernen und alles richtig zu machen, doch schnell wird ihr klar, worauf sie sich eingelassen hat. Lore (75), Max (87) und Martina sind in einer Dreizimmerwohnung auf Monate eingeschlossen. Der Sommer ist heiß, und die Luft brennt. Und Lore lässt ihre neue Haushaltshilfe nicht aus den Augen. Die in Kasachstan geborene Anna Hoffmann hatte für ihren Diplomfilm im vergangenen Jahr bereits den Sonderpreis beim „Deutschen Kurzfilmpreis“ erhalten. Der Dokumentarfilm entstand im Rahmen der Kooperation „Junger Dokumentarfilm“ zusammen mit dem SWR und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.
Die Regisseurin Saara Aila Waasner stellt in ihrem Diplomfilm „Frauenzimmer“ drei Prostituierte vor, die im ältesten Gewerbe der Welt bereits selbst zum „alten Eisen“ zählen. Der Zuschauer erhält Einblicke in außergewöhnliche Lebensgeschichten und den teilweise überraschend bürgerlichen Alltag dreier Berliner Frauen im fortgeschrittenen Alter, die ihr Geld mit Sexarbeit verdienen. Saara Aila Waasner hat während ihrer sorgfältigen Recherche sehr vielschichtige und starke Frauen getroffen, die mit ihrer Kraft und Besonderheit dem Film einen einzigartigen Charakter verleihen. Der Dokumentarfilm ist eine Royal Pony Film-Produktion für das ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit der Filmakademie Baden-Württemberg.
Die „Perspektive Deutsches Kino“ gilt als die Sektion der Berlinale, die den Themen- und Formenreichtum des jüngsten deutschen Films präsentiert. Sie interessiert sich für die thematischen und ästhetischen Tendenzen im einheimischen Filmschaffen und will neugierig machen auf inhaltliche und stilistische Trends im deutschen Film. Für die Auswahl der Filme zeichnet Alfred Holighaus verantwortlich, der im permanenten Austausch mit Regisseuren, Produzenten, Verleihern, Filmhochschulen und Förderinstitutionen steht. Durch seine langjährige Erfahrung als Kritiker, Verleiher und Produzent gilt er als engagierter Kenner des deutschen Films.
Weitere Informationen unter www.berlinale.de