Ludwigsburg, den 18. Juni 2007
Als sich gestern (17. Juni 2007) der Vorhang zur 17. Verleihung des Deutschen Kamerapreises hob, war der Jubel an der Filmakademie Baden-Württemberg groß: Neben etablierten Filmschaffenden standen auch drei Studierende der Ludwigsburger Filmhochschule auf der Bühne und konnten eine der begehrten Trophäen entgegen nehmen.
Gleich zwei Preise in der Kategorie Dokumentarfilm/Feature erhielt das ergreifende Portrait „Roaming Around“ (Regie: Brigitte Bertele) über den harten und grausamen Lebensalltag der Straßenkinder Ghanas. Für ihre Arbeit an der MiniDV-Kamera erhielt Eva Maschke den Deutschen Kamerapreis, während Dominique Geisler für hervorragende Leistungen im Bereich Montage/Schnitt mit dem Deutschen Schnittpreis ausgezeichnet wurde.
Eva Maschke überzeugte die Jury vor allem „durch die Qualität der Beobachtung und die Nähe, die sie zu den Protagonisten herstellt. Unter widrigsten Bedingungen sucht sie in Situationen, die wir alltäglich sehen und schon zu kennen glauben, neue, andere Bilder – und findet sie.“ Bei Dominique Geisler würdigte die Jury die „klare Struktur (der Montage), die uns durch das unstrukturierte Leben der Straßenkinder von Accra führt. Es entstehen liebevolle Portraits, die die Geschwindigkeit und Unruhe im Leben der Straßenkinder beschreiben.“ Der hochemotionale Film „Roaming Around“ wirft den Zuschauer mitten hinein in das alltägliche Chaos eines Slums am Rand der Stadt Accra – der unfreiwilligen Heimat vieler Straßenkinder Ghanas. Gefilmt mit einer unauffälligen MiniDV-Kamera, zeigt „Roaming Around“ in klaren, unsentimentalen Bildern den Überlebenskampf dieser vergessenen Kinder, die das Leben auf der Straße hart und abgebrüht werden ließ. Und doch haben die tapferen Protagonisten ihre Fähigkeit zu träumen, zu lachen und zu spielen nicht verloren. Sie erschaffen sich ihren eigenen, widersprüchlichen Kosmos voller Sehnsucht, Hoffnung und kleiner Freuden.
Außerdem kann sich Kamerastudent Sebastian Bäumler über einen der beiden mit 5.000 Euro dotierten Förderpreise freuen. Bäumler erhielt den Förderpreis Kamera für den Dokumentarfilm "Zirkus is nich" (Regie: Astrid Schult), das einfühlsame Porträt eines kleinen Jungen, der viel zu früh erwachsen werden muss: Dominik lebt mit zwei jüngeren Geschwistern und der allein erziehenden Mutter in Berlin Hellerdorf. Die Mutter ist mit der Erziehung der Kinder völlig überfordert und überträgt dem 8-Jährigen nach und nach immer mehr Verantwortung für seine jüngeren Geschwister. Der Junge soll ihr helfen, den schwierigen Alltag zu organisieren. Die Folge sind ständige Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Sohn. Im permanenten Konflikt zwischen Familienpflichten und seinen eigenen kindlichen Bedürfnissen versucht Dominik, sein Leben zu meistern.
Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der geradlinigen künstlerischen Haltung des jungen Kameramanns: „Die Kameraarbeit von Sebastian Bäumler ist gekennzeichnet durch das konsequente Durchhalten eines Einstellungskonzeptes: Der Film erzählt durchgängig in stehenden Einstellungen. In der einmal gewählten Kadrierung spielen sich mitunter ganze Szenen ab. (...) Der Mut Sebastian Bäumlers, ein solches klassisches Konzept durchzuhalten, verdient nach Meinung der Jury absolut eine Auszeichnung durch einen Förderpreis.“
Prof. Thomas Schadt, Direktor der Filmakademie, gratuliert: „Schon in der Postproduktion haben uns alle drei Filmkünstlerinnen und –künstler mit ihrer exzellenten Arbeit gefesselt. Es freut mich sehr, dass ihre Leistung jetzt mit dieser hohen Anerkennung belohnt wurde. Die Filmakademie Baden-Württemberg steht mit ihrem Ausbildungskonzept für den besonderen, den anderen Blick, der in beiden Filmen zum Ausdruck kommt. Insofern bin ich besonders stolz auf unsere Studierenden und sicher, dass wir von diesen jungen Talenten noch einige herausragende Arbeiten zu sehen bekommen werden.“
Der Deutsche Kamerapreis wird seit dem Jahr 2000 jährlich als Abschlussveranstaltung des alljährlichen Medienforums NRW vergeben. Er gilt als die bedeutendste Auszeichnung für Bildgestaltung und Schnitt in Deutschland und wird vom Verein Deutscher Kamerapreis e.V. ausgelobt. In diesem Jahr wurden 13 Bildgestalterinnen und -gestalter, Cutterinnen und Cutter ausgezeichnet. Die Verleihung fand am 17. Juni 2007 in Köln im Rahmen des medienforum.nrw statt.
Weitere Informationen unter www.kamerapreis.de