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| Adolf-Grimme-Preis 2019:

Vorhang auf für das Defilee der Filmakademie-Absolvent*innen

In diesem Jahr werden insgesamt sechzehn Adolf-Grimme-Preise sowie ein Publikumspreis für herausragende TV-Produktionen vergeben - das gab das Adolf-Grimme-Institut gestern (26.02.2019) bekannt. Unter den Preisträger*innen befinden sich auch Absolvent*innen der Filmakademie Baden-Württemberg. Die Jurys der vier Wettbewerbskategorien „Fiktion“, „Information & Kultur“, „Unterhaltung“ sowie „Kinder & Jugend“ konnten aus insgesamt 70 Nominierungen die herausragendsten Fernseh-Produktionen auswählen, die bei der Preisverleihung am 5. April in Marl ausgezeichnet werden.

Allen voran die beiden Filmakademie-Absolventen Christian Schwochow (Regie) und Oliver Kienle (Headautor), die für den Finanzthriller BAD BANKS Grimme-Preise in der Kategorie „Fiktion“ abräumen konnten. Neben Schwochow und Kienle erhalten Dr. Lisa Blumenberg (Produktion) und die beiden Darstellerinnen Paula Beer und Désirée Nosbusch ebenfalls einen Grimme-Preis. Die Jury begründete ihre Entscheidung: „BAD BANKS ist mehr als ein Thriller über die Finanzwelt. BAD BANKS ist eine Studie darüber, wozu Menschen fähig sind, wenn sie verführt werden – vom Erfolg, vom Geld, von der Gier und der Macht. BAD BANKS ist aber auch, und das überzeugte die Jury besonders, eine Serie, die zwei komplexe Frauenfiguren so inszeniert, wie man sie im deutschen Fernsehen selten sieht. (…) Die Serie behandelt leichtfüßig die großen Fragen unserer Zeit: ein hochkomplexer Finanzmarkt, den kein Skandal aufhält, ein Kapitalismus, in dem die einen mit dem Leid der anderen Geld verdienen, eine Branche, die so zugedröhnt ist mit Koks und Größenwahn, dass sie den Bezug zur Realität verliert und Politiker, die naiv dem großen Geld gegenüber stehen. Das alles birgt die Gefahr, platt und klischeehaft erzählt zu sein. Aber BAD BANKS ist in jeder Hinsicht hochprofessionell produziert.“

Außerdem erhält die Amazon-Serie BEAT über das Nachtleben in einem Berliner Techno-Club eine Auszeichnung in dieser Kategorie. Hier kann sich Filmakademie-Alumnus Philipp Haberlandt über den begehrten TV-Preis für seine Bildgestaltung freuen. Weitere Preise gehen an Norbert Eberlein (Buch), Kinoregisseur Marco Kreuzpaintner und den Darsteller Jannis Niewöhner: „(…) Wenn Fernsehen zu riechen beginnt, werden herkömmliche Seh-Erfahrungen transzendiert. Die Amazon-Serie BEAT ist ein Anschlag auf alle Sinne. Dafür sorgt ein furioses Zusammenspiel von Drehbuch, Kamera und Regie.“, urteilte die Jury.

Ebenfalls im Wettbewerb „Fiktion“ konnte sich die Berliner TATORT-Folge META durchsetzen, eine Hommage des Fernsehkrimis an den Kinoklassiker TAXI DRIVER. Die Jury vergab hier einen Spezialpreis an Filmakademie-Alumnus Sebastian Marka (Regie) sowie an Erol Yesilkaya (Buch) „für den spielerischen und selbstironischen Umgang mit dem Format Tatort und die Einbettung in einen cineastischen Kontext. (Denn) hier stimmt einfach alles: Das perfide schlaue Drehbuch von Erol Yesilkaya und die virtuos verspielte Inszenierung von Sebastian Marka legen Kino-Fiktion und TATORT-Realität derart einfallsreich übereinander, dass der Zuschauer bald nicht mehr weiß, auf welcher Wirklichkeitsebene er sich eigentlich gerade befindet. (...)“

Im Wettbewerb „Information & Kultur“ kann sich Filmakademie-Absolvent David Spaeth über die Grimme-Auszeichnung freuen. Der Dokumentarfilmregisseur wird für seinen Film BETRUG geehrt, in dem er Aufstieg und Fall eines Hochstaplers in einer Schwabinger Eltern-Kind-Initiative beleuchtet: „Dem Regisseur gelingt es, in seinem Dokumentarfilm neben einem dramaturgisch ausgefeilten Spannungsbogen auch eine detaillierte Milieustudie unterzubringen. Denn in den Interview-Aussagen und den privaten Umgebungen versteckt liegen Wahrheiten über Reichtum, Armut und Neid, über Kinderliebe, Mitleid, subtil sichtbare Klassenzugehörigkeiten und den Willen, aus ihnen auszubrechen. (…) Die Jury war von dem hohen Unterhaltungswert und der cineastischen Qualität der Erzählung begeistert. Sie empfand BETRUG als klugen Kommentar auf unsere Gesellschaft, der viel Raum für Interpretationen lässt, und den Zuschauenden nicht unterfordert, sondern ihn ehrlich (und vielleicht etwas ängstlich) nach der eigenen Reaktion fragen lässt: Wie würde man sich in der Situation verhalten? Und wie viel Hochstapler steckt in einem selbst drin? (...)“

Nachdem im vergangenen Jahr in der Kategorie „Kinder & Jugend“ kein Format ausgezeichnet wurde, wird 2019 mit Regisseurin Julia Ocker, Alumna des Animationsinstituts der Filmakadmie, und ihrer Reihe ANIMANIMALS (Studio FILM BILDER für KiKA/SWR) eine Produktion geehrt, die sich an Kleinkinder richtet. Die Jury urteilte: „ (...) Der pädagogische Aspekt des Formates wird äußerst subtil vermittelt und kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus, was die besondere Stärke von ANIMANIMALS ausmacht. Das alles passiert auf eine unaufdringliche, nette und unaufgeregte Art und Weise, die sich zu einem gelungenen Gesamtkonzept zusammenfügt. ANIMANIMALS ist ein herausragendes Beispiel für hochwertiges, innovatives und mutiges Kinderfernsehen, das sich von der breiten Masse absetzt. Eben jener Mut zur Innovation im nach wie vor relativ klassisch-geprägten Kinderfernsehen ist es, der -neben der unverkennbaren inhaltlichen Stärke- von der Jury mit dieser Preisvergabe gewürdigt wird.“

Der Adolf-Grimme-Preis ist der Fernsehpreis des Deutschen Volkshochschul-Verbandes und wird vom Adolf-Grimme-Institut in Marl veranstaltet. Der undotierte Preis zeichnet Fernsehsendungen und -leistungen aus, die als vorbildlich bewertet wurden. Er gilt als einer der wichtigsten Preise für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Die Verleihung der 55. Grimme-Preise, moderiert von Dunja Hayali, finden am 5. April 2019 im Theater der Stadt Marl statt und werden von 3sat ab 22:25 Uhr im Fernsehen ausgestrahlt.

Foto: Christian Rein / Eikon Media GmbH, Produktion Betrug – Aufstieg und Fall eines Hochstaplers „Betrug - Aufstieg und Fall eines Hochstaplers“. 

Weitere Informationen zu den Produktionen, den Preisträger*innen sowie die Jurybegründungen: https://www.grimme-preis.de/55-grimme-preis-2019/preistraeger/