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Projektstudium Produktion

Ab dem Studienjahr 2010/11 bietet die Filmakademie Baden-Württemberg einen zweijährigen Projektstudiengang Produktion in einem der drei Bereiche Animation/Effects/Games, Interaktive Medien oder Werbefilm an. Die Studierenden werden in einer der o.g. drei Fachabteilungen angesiedelt sein. Die Bewerbung erfolgt über den Bewerbungsbogen "Projektstudium".

 

Schwerpunkt Animation/Effects/Games Producer

Berufsbild:

Der Animation/Effects/Games Producer ist verantwortlich für Umsetzung, Workflow und Kosten bei Animations-, Effekt- und Spiele-Projekten. Dies verlangt Kenntnisse in digitalen und klassischen Animationstechniken, in den Bereichen Visual Effects, Game Design und Postproduktion sowie in Film- und Videotechnik. Wichtig sind Workflow- und Produktions-Pipelines, Kalkulation und Terminplanung, Organisation und Projektmanagement, Betriebswirtschaft, Teamführung, guter Umgang mit Kunden, Lieferanten und Teammitgliedern sowie ein problem- und konfliktlösungsorientiertes, vernetztes Denken.

Die Auftraggeber der Animation/Effects/Games Producer sind in der Regel Produktionsfirmen, Agenturen, Sender, VFX-Dienstleister oder Games-Produktionsfirmen. Die Producer betreuen die Produktionen von der Entwicklungsphase und Preproduction über Layout oder Dreh bis hin zur finalen Umsetzung.

Die enge Verbindung sowohl zum Auftraggeber als auch den Kreativen in der Umsetzung macht den Animation/Effects/Games Producer zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt der Produktion. Im Ausland, speziell in den USA, ist seine enge Einbindung in die Produktion schon während der kreativen Entwicklungsphase selbstverständlich, um Reibungsverluste während der Produktion zu minimieren, die sich negativ auf die Qualität, das Budget oder den Zeitplan auswirken können. Auch in deutschen und europäischen Produktionen gewinnt der Animation/Effects/Games Producer immer mehr an Bedeutung. Seine Berufschancen sind demzufolge hervorragend.

 

Schwerpunkt Produktion Interaktive Medien

Medienproduzenten im Bereich Interaktive Medien verantworten als angestellte Projektleiter oder als eigenständige Produzenten die Entwicklung und Produktion von audiovisuellen Inhalten für digitale Plattformen von der Idee bis zur Realisierung. Das setzt fundierte Kenntnisse in software- und netzwerkbasierten, nutzergesteuerten Medienformaten für das digitale Kino, das digitale Fernsehen, Internetplattformen, Mobile Endgeräte, Gameskonsolen, den PC sowie im Ausstellungsbereich voraus.

Interactive Producer bringen Wissen zu Projektmanagement, Betriebswirtschaft, Arbeits- und Lizenzrecht mit. Sie erstellen und verwalten Budgets, akquirieren die Finanzierung für Projekte, rekrutieren das Team von Konzeptern, Game Designern, Medientechnologen, Programmierern, Animationskünstlern, Videoregisseuren, Komponisten, Sounddesignern und Anderen, steuern den Workflow und das Assetmanagement. Außerdem sind die Interactive Producer der Kontaktpunkt zum Kunden oder den Kooperations- und Vertriebspartnern. Sie zeichnen sich durch problem- und konfliktlösungsorientiertes Denken über die Grenzen einer Plattform hinaus aus. Diese Anforderungen werden durch Lehrveranstaltungen abgedeckt wie

+ Projektmanagement (Ressourcenplanung, Teamführung, Finanzierung, Projektsupervision, Management-Tools, Kundenkommunikation, Vermarktung)

+ User-Centric-Design (Einbindung des End/-Kunden in die Entwicklung und Produktion, Testentwicklung und -Planung, Supervision von Tests und Optimierung)

+ Projektkalkulation (Pflichten- und Leistungshefte, Aufwandserhebung, Budgetkalkulation, Controlling)

+ Projektfinanzierung (Revenuemodelle, Vertriebskanäle, Branchenvenues, Präsentationsphasen und -dokumente, Vertragswesen, Urheber- und Nutzungsrecht im digitalen Raum, Koproduktionen, Förderanträge)

+ Unternehmensgründung (Businesspläne entwickeln, Beteiligungsmodelle, Redaktionswesen, Communityaufbau und –management)

In der Branche wird erwartet, dass die Produzenten ihre Kreativität in die Projekte einbringen. Während der Konzept- und Produktionsphase beraten sie sich mit den Mitgliedern ihres Teams, um wirtschaftlich und inhaltlich sinnvolle Entscheidungen für das Projekt und die Produktion treffen zu können. Dies wird auch im Arbeitsprozess an der Filmakademie aufgegriffen: Medienproduzenten verbringen das zweijährige Projektstudium in der Abteilung Interaktive Medien mit den Medienkonzeptern, besuchen gemeinsame Lehrveranstaltungen und erarbeiten zusammen Projekte.

 

Schwerpunkt Produktion Werbefilm

„Ein Werbefilm ist eine Dienstleistung mit dem Ziel, die Dienstleistung in ein kleines Kunstwerk umzusetzen“

Während in den Anfängen der TV-Werbung klassische Filmproduzenten und -regisseure diese Aufgabe sozusagen nebenbei erledigt haben, wurden in den letzten 30 Jahren immer mehr Filmproduktionsfirmen gegründet, die sich ausschließlich auf die Produktion von Werbemaßnahmen spezialisiert haben. Die dadurch entstandene Infrastruktur hat ihren Hintergrund nicht mehr im klassischen Film, sondern in den Anforderungen und Bedürfnissen der Werbung, der Werbeagenturen, der Kunden und Produkte. Dies erfordert ein besonderes Fachwissen.

Ziel ist, die Werbefilmproduzenten mit einem werbe- und filmspezifischen Allroundwissen auszustatten, das ihnen den reibungslosen Einstieg in den Beruf der Werbefilmproduktion ermöglicht.

Während der klassische Film meist mit großem Zeitvorlauf geplant und produziert wird, ist der Werbefilm fast immer ein so genannter „Schnellschuss.“ Von Auftragsvergabe bis Abnahme vergehen selten mehr als vier Wochen. Während beim klassischen Film Einspielergebnisse, der Verkauf von DVD- und TV-Rechten einen großen Teil der Gewinne ausmachen, ist der Werbefilmgewinn - und damit die Existenz der Produktion - reduziert auf das im Vorfeld abgesprochene und ausgehandelte Budget. Einen sehr guten Werbefilm zu produzieren und trotzdem profitabel zu arbeiten, ist die wahre Kunst des Geschäfts. Das geht nur dann, wenn Produzenten, Kunden und Regisseure auf Augenhöhe verhandeln und Hand in Hand arbeiten.

Neben dem klassischen Producing hat der Werbefilmproduzent vor allem die Aufgabe, Aufträge zu akquirieren und den Kontakt zur Branche, den Werbeagenturen und den Kunden zu pflegen. Neben der Durchführung einer Produktion ist die permanente Unterstützung des Regisseurs bei der Ideenfindung, Planung und Umsetzung eines Projekts wichtigster Bestandteil seiner Aufgabe. Der kreative Anteil eines Produzenten am Gesamtprozess und am Endprodukt ist hier größer, als Viele vermuten. Auch Voraus- und vor allem Weiterdenken gehören zu den Aufgaben eines Werbefilmproduzenten.

Darüber hinaus ist die permanente Betreuung der Kunden vor, während und vor allem nach einem Projekt ein wichtiger Aspekt. Hier geht es in erster Linie um ein umfassendes Wissen und ein Auftreten, das dem Kunden ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Die Kenntnis der internen Abläufe der Werbung, der Hierarchien, personellen Strukturen, Agenturstrategien und Ausrichtungen ist unerlässliches Arbeitswerkzeug im alltäglichen Geschäft. Den Markt einschätzen zu können und darauf adäquat zu reagieren, national und vor allem international, gehört zum Grundrepertoire eines guten Werbefilmproduzenten.

In einem sich ständig wandelnden Werbemarkt, in dem Internetplattformen und daraus resultierende unzählige, aber doch inzwischen qualitativ messbare  Kommunikationskanäle ständig nach neuen Wegen in der Zielgruppenansprache suchen, ist der 30sekündige Werbefilm vom Aussterben bedroht. Die Massenansprache TV-Werbung wird so in naher Zukunft nicht mehr ihren derzeitigen Stellenwert haben. Sie wird nicht verschwinden, aber doch wird die Verzahnung mit modernen Kommunikationskanälen unumgänglich. Sich dieses Wissen und Knowhow rechtzeitig anzueignen, ist essenziell. Hier setzen wir bewusst an.

Nach dem zweijährigen Grundstudium in der Abteilung Produktion folgen zwei Jahre Projektstudium in der Werbefilmabteilung der Filmakademie (für Quereinsteiger ins Projektstudium entfällt das Grundstudium), in dem die angehenden Produzenten zusammen mit Regiestudierenden Werbefilmprojekte realisieren. Diese Projekte folgen einem von den Dozenten vorgegebenen Briefing, das genügend Freiraum lässt, die eigenen Ideen einzubringen und das auf die neuen Marktbedingungen abgestimmt wird. Spätestens hier ist der Werbefilmproduzent zusammen mit seinem Regisseur mit eigenen Ideen und in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen gefordert, den Werbefilmprojekten Raum zu verschaffen, sie in anderen Medien und mit neuen Kommunikationstechniken breiter anzulegen und so zum Leben zu erwecken. Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit wird hier gefördert. Das Vordenken, Vorausplanen und das rechtzeitige und kreative Einbeziehen anderer Fachrichtungen ist gewünscht und erklärtes Ziel.

Teamfähigkeit, der Wille und die Fähigkeit zur Menschenführung und der Spaß an kreativer und innovativer Kommunikation sind unabdingbare Voraussetzungen für diesen Beruf.