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| 60. Grimme-Preis: Drei FABW-Alumni ausgezeichnet 

Verleihung am 26. April in Marl

Am heutigen Montag, dem 14. März 2024 erfolgte die Bekanntgabe der 60. Grimme-Preise. Die Wahl der Jury fiel auch auf drei Ehemalige der Filmakademie Baden-Württemberg.

Im Wettbewerb Fiktion wurde Julia C. Kaiser (Buch/Regie) für NICHTS, WAS UNS PASSIERT ausgezeichnet. Sie erzählt darin, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Bettina Wilpert, die Geschichte einer Vergewaltigung und stellt mit ihrem Film eine höchst komplexe Frage: Wie objektiv lässt sich sexualisierte Gewalt einordnen oder überhaupt erzählen? 

Aus der Begründung der Jury: „Julia C. Kaiser gelingt es mit diesem vielstimmigen Film, in einer Geschichte über sexualisierte Gewalt unterschiedliche Perspektiven sowie Ambiguitäten herauszuarbeiten und in all ihrer Komplexität zusammenzuhalten, ohne dabei an irgendeiner Stelle zu relativieren. „Nichts, was uns passiert“ ist nicht nur ein preiswürdiger Film, sondern auch ein überaus wertvoller Beitrag zur Me-Too-Debatte.“

Darüber hinaus erhielt NICHTS, WAS UNS PASSIERT den Preis der Studierendenjury. Die Musik zum Film komponierte FABW-Alumna Victoria Hillestad, für das Sounddesign sorgte Absolvent Johannes Kunz.

Ebenfalls erfolgreich im Wettbewerb Fiktion war die Serie SAM - EIN SACHSE, für die u.a. Soleen Yusef* (Regie) einen Grimme-Preis gewann: Kurz vor der Wende wird Samuel Meffire, Sohn eines Kameruners und einer Ostdeutschen, in Dresden der erste und einzige schwarze Beamte bei der Volkspolizei. Nach der Wiedervereinigung wird der afrodeutsche Polizist das Gesicht einer Imagekampagne, mit der die Landesregierung für ein weltoffenes Sachsen wirbt. Es ist die Zeit, in der Neonazis Jagd auf Migrant*innen machen. Auch Sam wird immer wieder Opfer von offen gewalttätigem, aber auch von verdecktem Rassismus. Doch im ruhelosen Sam erwacht bald auch ein krimineller Instinkt.

Die Jury urteilte: „Die Serie besticht durch einen Reichtum an Ideen, die Figurenzeichnung ist denkbar radikal, und die Erzählung strebt über weite Strecken mit der Energie eines Hip-Hop-Tracks nach vorne. Das ist auch dem kühnen Inszenierungsstil der beiden Regisseurinnen Soleen Yusef und Sarah Blaßkiewitz zu verdanken. Im kunstvoll eskalierten Strudel des Gewaltdramas schaffen sie immer wieder stille Räume, um vom Schicksal einer unbehausten Seele zu erzählen. (…) Mit ‚Sam – Ein Sachse‘ wurde etwas geschaffen, das bislang trotz aller vollmundigen Diversitätsversprechen keine hiesige Fernsehredaktion zustande gebracht hat – die erste große afrodeutsche Serie, die schon so lange überfällig war.“

Für die Bildgestaltung bei SAM – EIN SACHSE war Filmakademie-Absolvent Stephan Burchardt verantwortlich.

Im Wettbewerb Information & Kultur kann sich FABW-Absolvent Julian Vogel* (Buch/Regie) für EINZELTÄTER über eine Auszeichnung freuen. Die Trilogie besteht aus den Filmen „München“, „Halle“ und „Hanau“. Benannt sind sie nach den Städten, in denen 2016, 2019 und 2020 rechtsextremistisch motivierte Anschläge auf Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund oder einer spezifischen Religion verübt wurden. 21 Menschen starben. Julian Vogel hat Hinterbliebene begleitet. Es geht um ihren persönlichen Verlust, ihren Schmerz und ihre Trauerarbeit.

Aus der Jurybegründung: „Julian Vogel (…) arbeitet dokumentarisch, nicht journalistisch. Er hat keine Thesen im Gepäck und wendet keine klassischen Interviewmethoden an. Er arbeitete ergebnisoffen, wie man schon daran erkennt, dass er vor den Anschlägen von Halle und Hanau zu drehen begann. Er konnte diese Trilogie gar nicht von vornherein so geplant haben, wie sie am Ende wurde. Aber er ließ sie zu. Er drehte also nicht das, was er von Anfang an sagen wollte. Sondern er sagt, was das gedrehte Material ihm mitteilte. Und das ist, genau wie die Verknüpfung der drei Filme zu einer Trilogie, sehr überzeugend.“

Produziert wurde die Trilogie u.a. von Ümit Uludağ (Corsofilm), Absolvent des Atelier Ludwigsburg-Paris. Ebenfalls beteiligt waren im Bereich Ton/Sounddesign die FABW-Alumni Marc Fragstein, Jonathan Roesch und Oscar Stiebitz.

Die Verleihung des 60. Grimme-Preises findet am 26. April im Theater der Stadt Marl statt und wird von 3sat zeitversetzt ab 22.25 Uhr im Fernsehen ausgestrahlt. 

Der Grimme-Preis wird seit 1964 alljährlich in Marl verliehen. Mit einem Grimme-Preis werden Fernsehsendungen und -leistungen ausgezeichnet, die für die Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind. Leitziel der im Grimme-Preis institutionalisierten Fernsehkritik ist eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Fernsehen, das als zentrales und bedeutsames Medium mit vielfachen gesellschaftlichen Bezügen und Wirkungen verstanden wird. In diese kritische Auseinandersetzung sind alle Themen und Formen des Fernsehens einbezogen.

Quelle, Screenshot und weitere Informationen:
www.grimme-preis.de

* Soleen Yusef und Julian Vogel sind Stipendiat*innen der Baden-Württemberg Stiftung und haben im Rahmen ihres Studiums an einem internationalen Partnerprogramm teilgenommen.

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Staatsministerin für Kultur und Medien