Fünf Alumni der Filmakademie Baden-Württemberg unter den Ausgezeichneten
Beim 36. Deutschen Kamerapreis konnten sich am vergangenen Freitag (8. Mai 2026) fünf Alumni der Filmakademie Baden-Württemberg über Auszeichnungen in den Kategorien Kamera und Schnitt freuen. Die Preisträger*innen wurden im Rahmen einer feierlichen Verleihung im WDR Funkhaus in Köln geehrt.
Der Deutsche Kamerapreis würdigt seit 1982 herausragende Leistungen in Bildgestaltung und Montage und zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen der Branche im deutschsprachigen Raum. Insgesamt wurden sieben Bildgestalter*innen sowie sechs Editorinnen und Editoren ausgezeichnet, darunter zwei mit Nachwuchspreisen. Zudem vergab das Kuratorium den Ehrenpreis an den Director of Photography Torsten Breuer. Die Laudatio hielt Michael Bully Herbig.
Beste Kamera / Dokumentarfilm Kino
Stefan Neuberger wurde für den Dokumentarfilm MIT ÄSTEN BIS ZUM HIMMEL (KGP-Filmproduktion, Regie: Katharina Copony) ausgezeichnet.
Im Mittelpunkt steht eine Schule in Wien, an der Kinder und Jugendliche mit Blindheit oder Seheinschränkungen ausschließlich über Hören und Fühlen lernen.
Die Jury würdigte insbesondere den besonderen Zugang der Bildgestaltung zur Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen: „In einer Welt, in der das Sehen fast unmöglich ist, findet die Bildgestaltung von Stefan Neuberger einen außergewöhnlichen Zugang zu der Lebensrealität blinder und sehbehinderter Menschen. Die Kamera begreift Wahrnehmung als körperliche Erfahrung.“
Beste Kamera / Fiktion Kino
Fabian Gamper erhielt die Auszeichnung für seine Bildgestaltung des vielfach ausgezeichneten Films IN DIE SONNE SCHAUEN (Studio Zentral/ZDF, Regie: Mascha Schilinski).
Der Film erzählt in mehreren Zeitsprüngen einen Erinnerungsstrom aus dem Leben von vier Mädchen auf einem altmärkischen Bauernhof – von den 1910er-Jahren bis in die Gegenwart. Bereits 2018 wurde Fabian Gamper für den FABW-Kurzfilm FREIBADSINFONIE mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet. Für IN DIE SONNE SCHAUEN ist er auch für den Deutschen Filmpreis nominiert. Laut Jurybegründung vereint er „die Kinematographie mit der Erzählung zu einem untrennbaren Gesamtkunstwerk.“
Bester Schnitt / Dokumentarfilm Screen
Die FABW-Absolventen David Gesslbauer und Marco Rottig wurden gemeinsam mit Philipp Schnabel für BABO – DIE HAFTBEFEHL-STORY (27Km’B Pictures/Netflix, Regie: Juan Moreno, Sinan Sevinç) ausgezeichnet. Die Dokumentation zeichnet den Aufstieg des Offenbacher Musikers Aykut Anhan alias Haftbefehl nach und zeigt ein vielschichtiges Künstlerporträt im Spannungsfeld seiner Vergangenheit und Gegenwart.
Die Jury hob insbesondere den Montageprozess hervor: „Die Editoren fanden für die Bilder von Kameramann Wesley William Salamone und das Archivmaterial einen derart exzellenten Schnittrhythmus, dass die Jury von einem ‚Gesamtkunstwerk‘ spricht, ‚das uns über 90 Minuten gebannt zuschauen lässt: No exit, Brudi!‘“
Bester Schnitt / Fiktion Screen
Anna Nekarda wurde für den Fernsehfilm DIE NICHTE DES POLIZISTEN (W&B TV/SWR/NDR/EPO-Film, Regie: Dustin Loose) ausgezeichnet.
Die Jury betonte die besondere Bedeutung der Montage für die Figurenzeichnung und Erzählhaltung: „Sie zeigt alle Facetten der Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit der Polizistin Rebecca, aber auch ihre Stärke und ihren Mut. […] Anna Nekardas Montage ist nie vorhersehbar, sie trifft mutige Entscheidungen, ohne dass die Montage zum Selbstzweck würde.“
Mit diesen Auszeichnungen unterstreicht die Filmakademie Baden-Württemberg erneut die hohe Qualität ihrer Ausbildung und das exzellente künstlerische Niveau ihrer Absolventinnen und Absolventen.
Infos zum Deutschen Kamerapreis gibt es hier (externer Link)
Foto: © WDR/Klaus Görgen