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| 48. Student Academy Awards:

TALA ́VISION gewinnt “Student Oscar“ in Gold

Ludwigsburg, 21.10.2021

Der FABW-Spielfilm TALA ́VISION unter der Regie von Murad Abu Eisheh hat in der Kategorie Narrative (International Film Schools) den Student Oscar in Gold gewonnen. Dies gab die Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences in Los Angeles heute bekannt. Das Diplomprojekt setzte sich damit an die Spitze dieser internationalen Kategorie, in der die drei besten Spielfilme mit Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet werden.

Die Freude in Ludwigsburg ist natürlich riesig: Mit TALA‘VISION geht die begehrte Auszeichnung nun schon zum siebten Mal an eine Produktion der Ludwigsburger Filmschule. Die FABW ist damit - zusammen mit der englischen NFTS (National Film and Television School) - die erfolgreichste internationale Filmhochschule in der Geschichte der Student Academy Awards. Insgesamt haben es seit dem Bestehen der Filmakademie bereits achtzehn studentische Produktionen in die Finalrunde des weltweit bedeutendsten Nachwuchswettbewerbs geschafft. 

Das Filmteam um Regisseur und Autor Murad Abu Eisheh mit Philip Henze (Bildgestaltung), Quirin Grimm* (Montage/Schnitt), Nils Wrasse (Musik), Johann Meis (Ton), Julian Knaack (Szenenbild), Farah Karouta (Kostümbild), Lukas Löffler (VFX Supervisor), Josephine Roß (VFX Producerin), Mario Bertsch und Pascal Schober (beide Compositing) sowie den Producer*innen Esther Busch, Philipp Maurice Raube, Jude Kawaa und Gabriel Waldvogel erzählt in TALA ́VISION die Geschichte der fußballbegeisterten Tala. Trost und Freiheit findet das 8-jährige Mädchen im vom Krieg zerrütteten Syrien einzig in einem Fernseher. Ein neues Verbot zwingt jedoch den Vater, das TV-Gerät abzugeben und damit auch dieses Fenster zur Welt für das Mädchen zu schließen. Angst, Schweigen und Langeweile bestimmen fortan den Alltag und machen das Leben in der kleinen Wohnung fast unerträglich. Bis Tala beschließt, einen Fernseher von der Straße zu stehlen – mit ungeahnten Konsequenzen.

“Wir leben in einer verrückten Welt, in der ein Autor und Regisseur wie ich sich in erster Linie von der Realität der aktuellen Tagespresse inspirieren lässt,“ erklärt Murad Abu Eisheh. „Ich kann mich ganz genau erinnern, wie ich mich gefühlt habe, als ich 2014 in der Zeitung gelesen habe, dass der IS ein Gesetz verabschiedet hatte, das den Besitz von Fernsehern und aller Geräte verbot, die die Kommunikation zur Außenwelt ermöglichen. Viele werden diese Schlagzeile nicht einmal bemerkt haben. Ich dagegen konnte nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken, denn in meiner Kindheit war der Fernseher das Zentrum meiner Welt. Welche destruktiven Ausmaße ein solch simpler Akt auf das Leben von tausenden von Kindern haben könnte, ließ mich über Jahre nicht mehr los - bis ich anfing, daraus ein Drehbuch zu entwickeln: TALA ́VISION.“

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg: „Ich gratuliere dem Filmteam und der Filmakademie Baden-Württemberg herzlich zu dieser Auszeichnung. Sie verdeutlicht die hohe Ausbildungsqualität und den Anspruch der Filmakademie, die Studierenden in ihrem persönlichen Weg und ihrer Haltung zu bestärken. So können hervorragende Filme wie TALA‘VISION entstehen, die uns dazu auffordern, uns mit gesellschaftlichen und politischen Missständen auseinanderzusetzen - und den Blick dabei auch über Grenzen hinweg in andere Kulturen und Lebensrealitäten zu richten.“ 

Prof. Thomas Schadt, Direktor der Filmakademie Baden-Württemberg: „Geschichten nicht nur über die arabische Welt, sondern aus der Perspektive der Menschen heraus zu erzählen, die dort leben, war ein besonderes Anliegen des Regisseurs. Solchen Perspektivwechseln hat sich auch die Filmakademie mit ihrem Lehrkonzept verpflichtet. Wir ermutigen und unterstützen unsere Studierenden darin, gesellschaftliche Realitäten zu hinterfragen, Haltungen zu entwickeln und vor allem: Verantwortung zu übernehmen. Das ist dem Team mit dem Diplomfilm TALA’VISION auf allen Ebenen gelungen. Ich freue mich sehr und gratuliere ganz herzlich zu diesem hochverdienten und wichtigen Preis.“

Die visuellen Effekte des Films steuerten Studierende des Animationsinstituts der Filmakademie Baden-Württemberg bei. Prof. Andreas Hykade, Leiter des Animationsinstituts, spricht dem gesamten Team von TALA’VISION seine Glückwünsche aus: „Wir möchten den Macher*innen von TALA‘VISION ganz herzlich gratulieren. Besonders freut uns, dass bei der Produktion sensibel gemachte und subtile Visual Effects in einem relevanten Stoff zum Ausdruck kommen.“

Murad Abu Eisheh wurde 1992 in Amman, Jordanien geboren. 2014 schloss er mit einem Bachelor in Kommunikationsdesign, Schwerpunkt Film an der „German Jordanian University“ in Amman ab. Für den „Royal High Court Jordan“ führte er bei mehreren Kurzfilmen und Werbespots Regie, bevor er 2017 sein Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg begann. Er nutzt die Zeit während seines Studiums, um sich der Politik im Nahen Osten aus einer breiteren Perspektive zu nähern und durch seinen filmischen Ansatz auf politische und humanitäre Missstände in der arabischen Welt hinzuweisen. Viele seiner Filme waren bereits auf den größten deutschen Nachwuchsfilmfestivals vertreten. Neben seinem Studium ist Murad Abu Eisheh Koordinator des panafrikanischen Filmprogrammes FOLLOW THE NILE.

Nach Angaben der Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences konkurrierten in diesem Jahr insgesamt 37 Filme um die international wichtigste Auszeichnung für Filmhochschul-Studierende. Die Student Oscars werden in der Kategorie Narrative (International Film Schools) in Gold, Silber und Bronze vergeben. In den Kategorien Animation (International Film Schools) und Documentary (International Film Schools) erhält jeweils nur ein Film den Student Oscar in Gold. Die Preisträger*innen haben gemeinsam an einem einwöchigen Online Programm teilgenommen, das mit der Preisverleihung am 21. Oktober 2021 endete. Zudem sind alle Student-Oscar-Gewinnerfilme für die Oscars 2022 teilnahmeberechtigt.

TALA ́VISION ist eine deutsch-jordanische Koproduktion mit Unterstützung des Förderprogramms „Junges Programm“ des SWR: Neben der Filmakademie Baden-Württemberg waren die jordanischen Firmen Tabi 360 und Jordan Pioneers Multimedia beteiligt sowie die nationale Filmförderung Royal Film Comission Jordan. Das Förderprogramm „Junges Programm“ des SWR unter der Leitung von Joachim Lang an der Filmakademie gibt es seit 2008. Der SWR fördert, koproduziert und betreut redaktionell vier bis fünf Filme pro Jahr aus allen Bereichen, darunter immer wieder auch herausragende und preisgekrönte Projekte. TALA‘VISION entstand unter der Redaktion von Joachim Lang und Katharina Kontny.

Social Media Links:
https://www.talavision-film.com
https://www.facebook.com/talavisionthemovie
https://www.instagram.com/tala.vision/

*Quirin Grimm ist Stipendiat der Baden-Württemberg Stiftung und nahm mit dem BW Stipendium für Filmproduktion 2018 an dem Austauschprogramm „Fiction Alexa“ an der Filmhochschule La Fémis in Paris teil.

TALA'VISION
Regie und Buch: Murad Abu Eisheh
Bildgestaltung: Philip Henze
Animation: Lukas Löffler (VFX Supervisor), Josephine Roß (VFX Producerin), Mario Bertsch (Compositing), Pascal Schober (Compositing)
Montage: Quirin Grimm 
Filmton/Sounddesign: Johann Meis
Szenenbild: Julian Knaack
Producer*innen: Esther Busch, Philipp M. Raube, Gabriel Waldvogel, Jude Kawaa
Kostümbild: Farah Karouta
Musik: Nils Wrasse
Redaktion: Joachim Lang, Katharina Kontny (SWR)
Koproduzent*innen: Alaa Alasaad, Khaled Haddad

Eine Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg und Tabi360 in Koproduktion mit Jordan Pioneers und dem SWR, gefördert durch die Royal Film Commission Jordan

Student Oscars der FABW:

1998: Thorsten Schmidt für ROCHADE
2007: Toke Constantin Hebbeln für NIMMERMEER
2012: Thomas Stuber für VON HUNDEN UND PFERDEN
2015: Dustin Loose für ERLEDIGUNG EINER SACHE
2017: Johannes Preuss für GALAMSEY – FÜR EINE HANDVOLL GOLD
2020: Pascal Schelbli für THE BEAUTY
2021: Murad Abu Eisheh für TALA‘VISION
 

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Staatsministerin für Kultur und Medien