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| DER TRAUMFABRIKANT CARL LAEMMLE:

SEMINAR UND FILMSCREENING - für externe Interessierte offen, Teilnahme kostenlos.

Carl Laemmle aus dem schwäbischen Ort Laupheim gilt durch seine Gründung der Universal Studios als Vater Hollywoods. Er war zugleich Filmpionier, Erfinder des Starsystems, Studiotycoon und Menschenretter.

Der Filmhistoriker Prof. Hans Beller widmet sich dieser schillernden und vielschichtigen Persönlichkeit in einem Seminar an der Filmakademie Baden-Württemberg. Am 9. Juni 2017 von 09.30-16.30 Uhr wird im Kino Caligari dabei auch noch einmal eine zweiteilige Dokumentation über Laemmle zu sehen sein, die Hans Beller 1983 für den SWR drehte.

Das Seminar ist für externe Interessierte offen, die Teilnahme ist kostenlos.

Carl Laemmle hat im Filmbusiness wie kein anderer sowohl die Zeit- als auch die Filmgeschichte geprägt. Vom kämpferischen Hollywoodpionier, der gegen das kapitale Kartell von Erfinder Edison, Zelluloidhersteller Eastman und Banker Kennedy prozessieren musste, über den risikobereiten Studiogründer von Universal City, bis zum von Nazis verfolgten „Filmjuden“, hat er viel durchgemacht.

Sein Leben folgt einem typischen Masterplot der Filmindustrie: Aufstieg und Fall eines Imperiums, mit einem klassischen, humanitären Happy End, in Form der von Laemmle geleisteten Bürgschaften für jüdische Deutsche. Nach über 9.000 Filmproduktionen verhilft er bis zu seinem Lebensende über 300 Juden zur Immigration aus Nazideutschland in die USA und rettet ihnen damit das Leben.

Sein spannendes Leben verlangt im Film nach einer multiperspektivischen Sichtweise, denn Carl Laemmle war ein Mann des Sowohl-Als-Auch. Er war und blieb als eingebürgerter Amerikaner sowohl ein patriotischer US-Staatsbürger als auch ein nostalgischer Schwabe: You could take Carl Laemmle out of Laupheim, but you couldn’t take Laupheim out of Carl Laemmle.“

Daher dokumentiert der Zweiteiler DER TRAUMFABRIKANT CARL LAEMMLE (90 min., TEIL I - DIE FILMSTADT, TEIL II - DAS GRUSELGESCHÄFT) auch Laemmles dramatisches Dilemma, dem der Reisende zwischen der Alten und der Neuen Welt ausgesetzt war. Das ging im produktiven Wechsel zwischen New York, Los Angeles und Laupheim bis zum ersten Weltkrieg gut. Doch dann musste der Bindestrich-Amerikaner, der einzige deutschstämmige Studioboss, Flagge zeigen, was ihm die Deutschnationalen daheim übel nahmen. Alle Major Studios rüsteten patriotisch mit anti-deutschen Filmen auf, als die USA die militärische Aufrüstung für Materialschlachten begannen. Auch Laemmle bediente daher die antideutschen Stereotypen vom Preußen und dem Hunnen im Kino. Wie übrigens die ganze amerikanische Filmbranche mit all ihren - auch in Deutschland beliebten und verehrten - Stars: Charles Chaplin, Douglas Fairbanks, Mary Pickford, Cecil B. deMille, David W. Griffith und am Beginn seiner Karriere Erich von Stroheim.

Laemmle war immer wieder zum filmischen Talentfischen in Laupheim und Berlin gewesen und brachte im Zuge der filmischen Auswanderung die Filmexpressionisten Paul Leni und Conrad Veit mit, nebst Kameramann Karl Freund. Mit ihnen, den Weimarer „Wirtschaftsflüchtlingen“, brachte er das Grauen aus der alten Welt in die Neue, sie trugen zum Image des German Gothic bei, so dass Universal die Hochburg des Horrors wurde. Hierzulande bekannt sind noch die Universal-Klassiker wie DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME, DAS PHANTOM DER OPER, DRACULA, FRANKENSTEIN, DIE MUMIE, aber neben Filmklassikern des Horrors auch die Oscar-Produktion IM WESTEN NICHTS NEUES. Der wiederum sollte als pazifistischer Antikriegsfilm prompt zu neuen Wutanfällen bei den kriegstreibenden Nationalsozialisten in Deutschland führen. Filmausschnitte zeigen die teils komische, teils raue Pioniergeschichte des Films wie auch die kriegerischen Weltkriegs-Fronten der politischen Zeitgeschichte zwischen Deutschland und den USA.

Hans Bellers Dokumentation über den Helden Carl Laemmle schildert den kosmopolitischen Filmfabrikanten auf Reisen zwischen den Kontinenten, in dramatischen kriegerischen Konflikten, zwischen Gewinn und Verlust, der sich lächelnd treu bleibt, als Uncle Carl. „Der Spiegel“ schrieb als Ankündigung zur Erstaufführung im Weihnachtsprogramm 1983: „Carl Laemmle & Co., Alpträume en gros. Keine 90 Bildschirmminuten an und zwischen den Feiertagen werden zugleich so bewegend und augenöffnend, so komisch und irr sein wie die beiden Teile der Dokumentation...Autor Hans Beller erzählt eine wahre Geschichte, die jede Filmfabel in den Schatten stellt..“

Foto: Privat