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| FILMAKADEMIE-STUDIERENDE BEI DOK LEIPZIG MIT PREIS FÜR DEN BESTEN DEUTSCHEN DOKUMENTARFILM AUSGEZEICHNET:

GOLDENE TAUBE FÜR „LORD OF THE TOYS“

LORD OF THE TOYS, Drittjahresfilm von Regisseur Pablo Ben Yakov und Kameramann André Krummel an der Filmakademie Baden-Württemberg, ist bei der 61. Ausgabe von DOK LEIPZIG mit einer der mit 10.000 Euro dotierten Goldenen Tauben ausgezeichnet worden. Damit hat der dystopische Drittjahresfilm über den Dresdner YouTuber Max „Adlersson“ Herzberg und seine Clique den Hauptpreis im Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm des renommierten Leipziger Festivals gewonnen.

LORD OF THE TOYS entstand im 3. Jahr des Dokumentarfilmstudiums von Pablo Ben Yakov und André Krummel und porträtiert den 20-jährigen Max „Adlersson“ Herzberg, der davon lebt, sich und seine Freunde auf YouTube zu präsentieren: Er referiert hauptberuflich über Messer, Softairs und öffnet Gangstarap-Fanboxen, besäuft sich mit seinen Freunden in der Stadt, benimmt sich daneben, zerstört Dinge oder geht seiner Spielsucht nach. Die meisten seiner Freunde haben eigene Kanäle, einige sogar recht erfolgreich. Max und seine Clique sind zweifelhafte Vorbilder, aber sicherlich Stars ihrer Generation mit mehr als 250.000 aktiven Fans und Idole für tausende sie konsumierender Kids. Und sie sind die erste Generation junger Erwachsener, die eine Welt ohne Internet nicht mehr kennen. YouTube-Stars oder Nichtsnutze, oder beides – jedenfalls immer am Limit zum Alkoholismus, zum Exzess, zur Spielsucht und unterwegs zum nächsten Click-Rekord, Kämpfer gegen die eigene Langeweile und Aggressoren ohne Herausforderungen.

Der 90-Minüter war im Vorfeld bereits mit Spannung erwartet und kontrovers diskutiert worden. Die Jury nennt den Dokumentarfilm in ihrer Begründung „smart, differenziert, extrem mutig und von einer schmerzhaften politischen Brisanz. (...) Er hilft Leuten zu kapieren, was woanders los ist.“ Mit seinen präzisen Beobachtungen und einer kritischen Einordnung lege der Film eine Jugendkultur und deren erschreckende Sprache offen, die das Internet bewusst nutzt – mit weit reichenden Folgen in den Alltag: „Die Filmemacher haben eine Grenzüberschreitung geleistet; sie lassen sich vollständig auf ein anderes Milieu, eine andere Generation, eine andere politische Haltung ein, um ernsthaft dem auf den Grund zu gehen, worüber man in Tageszeitungen als Gefahr für unsere Demokratie liest. Sie gehen so tief rein, wie man reingehen kann. Sie versuchen dabei, nicht nach vorgefertigten Schemata zu werten. Und verlieren dabei trotzdem an keiner Stelle ihre Haltung und ihre kritische Distanz. (...) Ein in der Form noch nicht dagewesener Beitrag zum Verständnis dessen, was grade in unserer Welt passiert.“

LORD OF THE TOYS ist zudem nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness.

Insgesamt wurden beim diesjährigen Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK Leipzig 22 Preise in einem Gesamtwert von mehr als 78.000 Euro vergeben, darunter sieben Goldene Tauben. Zum Abschluss des Filmfestivals am Sonntag wurden vier der Preisträgerfilme sowie Publikumslieblinge noch einmal gezeigt. Seit vergangenem Montag liefen 306 Filme sowie zwölf interaktive Arbeiten auf dem Dokumentarfilmfestival.

DOK LEIPZIG ist international eines der führenden Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm, einzigartig in der Verbindung dieser beiden Sparten, und baut auf einer mehr als 60-jährigen Geschichte auf. Während des Kalten Krieges war das 1955 gegründete Festival ein wichtiger Ort des künstlerischen Austauschs zwischen Filmemacher*innen aus Ost und West. Sowohl Dokumentar- als auch Animationsfilm waren von Beginn an Bestandteil des Programms, das von Filmen mit einer starken künstlerischen und persönlichen Handschrift geprägt ist. Insgesamt zeigte sich DOK Leipzig in diesem Jahr so politisch wie lange nicht. Die aktuellen Konflikte im Land sind definitiv auf der großen Leinwand angekommen.

Weitere Infos zum Festival und zur Jurybegründung:
www.dok-leipzig.de

www.dok-leipzig.de/de/festival/wettbewerbe/preistraeger

LORD OF THE TOYS
Regie: Pablo Ben Yakov
Bildgestaltung/Kamera: Andre Krummel
Filmmusik: Kat Kaufmann
Sounddesign: Tobias Adam, Simon Peter
Ton: Pablo Ben Yakov, Marc Eberhardt
Schnitt: Pablo Ben Yakov, André Krummel
Mischung: Tobias Adam, Simon Peter
Sprecher: Maximiliane Häcke
Künstlerische Mitarbeit: Roland Scheliga

Foto: Die Jury Deutscher Wettbewerb mit André Krummel (ganz links) und Pablo Ben Yakov (links)
(c) DOK LEIPZIG